Vom 17. bis 29. Mai 2004 führten 12 Reservisten der Bundeswehr aus Despetal unter Leitung des Leutnants d. R. Dieter Platen im lothringischen Morhange Wiederherstellungs- und Pflegearbeiten an Gräbern deutscher Soldaten durch, die vor 90 Jahren, gleich nach dem Beginn des ersten Weltkrieges, dort gefallen sind.

 

Der Friedhof liegt in einem Waldstück außerhalb von Morhange. Der stellvertretende Bürgermeister von Morhange besuchte den Friedhof, führte uns zu einer Gedenkstätte mit Obelisk am Ortsrand und wies uns in das Schlachtfeld ein. Am 19./20. August 1914 hatten die Franzosen die u. a. mit schwerer Artillerie und Maschinengewehren befestigten deutschen Stellungen angegriffen. Die meisten Gräber tragen das Datum 19./20.08.1914.

Zunächst mussten umfangreiche Erdarbeiten durchgeführt werden. Etwa 45 cbm Mutterboden wurden mit Schubkarren herangekarrt und auf das Friedhofsgelände verteilt, um Unebenheiten auszugleichen. Die Erde wurde qualitativ verbessert, eingewalzt und Nacharbeiten im Kreuzbetonsockelbereich durchgeführt, damit Rasenmäharbeiten effektiver durchgeführt werden können. 2 Massengrabflächen wurde von starkem Unkrautbefall befreit und die dazu gehörigen Bronzeplatten mit Bürste und Wasser gereinigt. Da Wasser und sanitäre Einrichtungen auf dem Friedhof fehlten, musste das Wasser in Eimern aus einem nahe gelegenen See herbeigeholt werden. Trockene Ziersträucher wurden entfernt. Das Gedenkkreuz und der darum liegende Raum wurden gründlich gereinigt.
 

Alle in einem Beschäftigungsverhältnis stehenden Teilnehmer an diesem Arbeitseinsatz hatten Urlaub genommen, da Sonder- oder Bildungsurlaub nicht möglich war. Es kamen nur wenige Besucher - z. T. Deutsche - vorbei. Einige beobachteten die Arbeiten von außerhalb.

Der abschließende Gedenkappell wurde vor Ort in französischer Sprache durch Lt. Dieter Platen von unserer RK und in deutscher Sprache durch mich (jeweils Abschnitt um Abschnitt zweisprachig vorgetragen) durchgeführt.

Teilnehmer waren der Bürgermeister (maire), Herr (monsieur) Jaques Idoux, der stellvertr. Bürgermeister, Herr (monsieur) Bartholomay (deutschsprachig), Vertreter vom Veteranenverband und eine Abordnung von 6 Soldaten der französischen Armee in Uniform und mit Gewehr zum Präsentieren unter Führung eines LtColo (OTL) sowie eine Abordnung der örtlichen Gendarmerie und der Stadtpolizei. Letztere filmten die Gedenkfeier für die Morhange-TV.

 

Im Anschluss lud der Bürgermeister alle Beteiligten zu einem Empfang mit Sekt und Knabbergebäck in das Nebengebäude des Rathauses ein. In einer überaus herzlichen, freundlichen Atmosphäre überreichte ich im Namen der Landrätin von Hildesheim, Ingrid Baule, den Wappenteller des Landkreises Hildesheim, sowie im Namen des Gemeindebürgermeisters Wolfgang Möller den Zinnbecher der Gemeinde Despetal an den Bürgermeister, Herrn Idoux. Ebenfalls für die Kreisgruppe Hildesheim des Reservistenverbandes überreichte ich einen gravierten, wertvollen Zinnteller. Von der Reservistenkameradschaft übergab ich eine Flasche Jägermeister. Als Übersender fungierte der stellvertretende Bürgermeister. Die Kameraden führten Gespräche mit u. a. (wenigen) deutschsprachigen Veteranen oder Soldaten etc.
 

Der Bürgermeister dankte für den Einsatz, für die Gastgeschenke und die damit verbundenen Grüße. Er bat ausdrücklich darum, seinen Dank und herzliche Grüße an die entsprechenden Stellen in Deutschland weiterzugehen (also Landkreis, Gemeinde, Reservistenverband etc.) Außerdem sprach er eine Einladung aus zu den Feierlichkeiten an dem Schlachtbeginn am 19./21.08.2004 in Morhange. Für Quartier wolle die Stadt sorgen. Eine überaus herzliche Atmosphäre.

 

Zum Quartier beim 13. RDP (Fallschirmjäger-Regiment) in Dieuze (ca. 22. km von Morhange entfernt):

Die Kasernen-Liegenschaft stammt überwiegend (bis auf diverse Neubauten) aus der Kaiser- Wilhelm-Zeit (Ende 19. Jhd.); in sehr gutem Erhaltungszustand. Wir hatten 3 Zimmer in einem Kompaniegebäude zugeteilt bekommen mit Verpflegungsteilnahme im Speiseraum des Regiments. Wir wurden sehr freundlich und zuvorkommend aufgenommen. Stets wurde militärisch gegrüßt.
 

Es handelt sich um eine Eliteeinheit der französischen Armee (Art. Fernspäher mit Aufklärungsauftrag). Die Soldaten sind überaus sportlich und fit (niemand wiegt mehr als 60-70 kg) und laufen täglich 20-25 km morgens im Gelände. Im Einsatz haben sie 35 kg Gepäck zu tragen (allein Verpflegung für 14 Tage dabei). Die Soldaten sind ständig in Krisen- (Kriegs) gebieten mit 120-200 Mann im Einsatz, zur Zeit in 7 Ländern. Alle sind Spezialisten, sie springen aus 10 000 m mit Sauerstoffgeräten ab oder aus sehr niedrigen Höhen.

Landrätin Ingrid Baule dankte am 9. Juni 2004 dem Reservistenkommando Despetal bei der Aushändigung der Dankesurkunden der Deutschen Kriegsgräberfürsorge mit den Worten: “Ihr Einsatz ist nicht selbstverständlich. Er hat große Symbolkraft, gerade vor der bevorstehenden Europawahl!“

Klaus-Dieter Beckmann

 

Kriegsgräbereinsatz Frankreich 2004

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